June 19th, 2007 by Klaus Wiedemann
Nachdem “Internet-Startup” für Venture-Capital-Geber das Unwort der Jahre 2002 bis 2004 war (zumindest in Deutschland), gibt es gegenwärtig einen Boom an Startups, die auf Web 2.0 basieren. Einen guten Überblick über die Gründe findet sich auf Gruenderszene.de:
- Der “Long Tail” des Internets fördert Unternehmertum.
- Der Kapitalbedarf ist gesunken.
- Internetnutzung nimmt weiter zu.
- APIs und Mash-Ups fördern dezentrale Problemlösungen und damit neues Unternehmertum.
- Erfolgreiche Vorbilder.
- Es ist wieder zunehmend Wagniskapital vorhanden – wenn auch nicht im (verschwenderischen) Überfluss.
- Bessere Vernetzung: Leichtere Teambildung, schnellerer Informationsaustausch, mehr Motivation – und verzerrte Wahrnehmung der Gründerstimmung 2.0.
Die Beobachtungen sind sicher richtig, wobei ich gerne noch einige Aspekte näher beleuchten möchte:
- Wenn man sich als Startup auf den Long Tail (vulgo: Nischen) fokussiert, kann man sicher gute Geschäftsideen entwickeln, man ist aber auch in den Wachstumsmöglichkeiten beschränkt. Es sei denn, man bildet einen Großteil des Long Tails ab (siehe Amazon) .
- Der gesunkene Kapitalbedarf ist einerseits ein positiver Aspekt, da sowohl sehr gute OpenSource-Software exisitert, als auch die Hardware und Hosting-Kosten signifikant zurückgegangen sind. Von Marketing-Kosten ganz zu schweigen.
Andererseits bedeutet dies eine extrem gesunkene Eintrittsbarriere für Nachahmer. Gerade im Web 2.0 hat man neben Branding eigentlich nur die Geschwindigkeit, in der man eine kritische Masse an Benutzern aufbaut, als Erfolgsfaktor. Gibt es in einem Segment einen Platzhirsch, haben Nachahmer kaum noch eine Chance. Wer möchte in Deutschland noch ernsthaft gegen StudiVZ antreten?
- Ich wage die Prognose, dass deshalb bei Wagniskapitalgebern die Web 2.0-Euphorie (falls es denn diese bei einigen überhaupt gab) schon bald abflauen wird (oder schon bereits abgeflaut ist), und vor allem Late-Stage-Finanzierungen erfolgen werden. Frühphasen-Finanzierungen in diesem Bereich werden weiter zurückgehen, denn im Gegensatz zu technologielastigen Gründungen gibt es, außer gutem Marketing und Geschwindigkeit, eben wenig Erfolgsfaktoren, die sich ernsthaft bewerten lassen. OpenBC/Xing z.B. konnte erst Investoren überzeugen, als bereits eine signifikante Community aufgebaut war und der Weg zur marktbeherrschenden Position in Deutschland plausibel war.
Mein Fazit zu Web 2.0 Gründungen ist, dass man erst mal keine Zeit damit verschwenden sollte, nur mit einem Business-Plan, Venture Capital zu suchen (Business Angels sehe ich da etwas anders). Vielmehr sollte man so schnell wie möglich den Nachweis erbringen, dass die Idee funktioniert (siehe auch The Art of the Start) .
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